Statements des Patientenbeauftragten

Wolfgang Zöller, Patientenbeauftragter

 

Das Vertrauen in die Organspende stärken 

- Ein Gastbeitrag von Wolfgang Zöller, MdB, Patientenbeauftragter der Bundesregierung, Veröffentlicht in der Fuldaer Zeitung am 09. August 2012 - 

 

Mit zwei aktuellen Gesetzen haben wir die Organspende in Deutschland gestärkt - auf der Basis von Freiwilligkeit, Vertrauen und Nächstenliebe. Ziel ist und war es, möglichst vielen der etwa 12.000 Menschen auf der Warteliste eine Chance zum Überleben durch eine Organtransplantation zu geben. Wir wissen: dies ist nur durch eine breite Zustimmung in der Bevölkerung zu erreichen.

Durch die Vorfälle in Göttingen und Regensburg drohen diese Bemühungen ad absurdum geführt zu werden. Wenn Spenderorgane nicht nach medizinischer Notwendigkeit und Dringlichkeit vergeben werden, ist dies gesetzeswidrig und gegen jede Moral. Schlimmer hätte es nicht kommen können. Es droht ein Kollateralschaden, der zu Lasten der Menschen geht, die auf ein Spenderorgan warten und die sich grundsätzlich für eine Spendebereitschaft entschlossen haben.

Sicher: wir haben in Deutschland klare Vorschriften und Kontrollinstanzen der Ärzteschaft, die einen sorgsamen, gerechten Umgang sicherstellen sollen. Verdachtsfälle oder Regelverstöße müssen an die Überwachungs- und die Prüfkommission gemeldet werden. 

Das deutsche Transplantationsgesetz (TPG) ist seit 1. Dezember 1997 in Kraft. Das im Juli 1997 vom Deutschen Bundestag mit einer großen Mehrheit verabschiedete Gesetz ist im Mai 2012 vom Deutschen Bundestag mit großer Mehrheit geändert worden. Es regelt die Spende, Entnahme, Vermittlung und Übertragung von Organen, die nach dem Tode oder zu Lebzeiten gespendet werden. Das Gesetz sieht eine strikte organisatorische und personelle Trennung der Bereiche Organ- und Gewebespende und Vermittlung und Transplantation vor und legt damit Zuständigkeiten eindeutig fest. Für die Organ- und Gewebespende ist die DSO verantwortlich. Für die Vermittlung Eurotransplant. Zwei Ärzte müssen unabhängig voneinander den Hirntod feststellen. Durch die Aufnahme der Patienten in Wartelisten nach Regeln, die dem Stand der medizinischen Wissenschaft entsprechen, und der Anforderung, dass die Vermittlung von vermittlungspflichtigen Organen nach Regeln, die dem Stand der medizinischen Wissenschaft entsprechen, insbesondere nach Erfolgsaussicht und Dringlichkeit, erfolgen muss, soll eine gerechte Verteilung von Spenderorganen gewährleistet werden.

Deutlich wurde aber durch die Meldungen der letzten Tagen: Schnell kann das Vertrauen in diese Regelungen ins Wanken geraten. Jetzt muss geprüft werden, ob sie in Einzelfällen aufgrund hoher krimineller Energie umgangen werden können oder ob es generell an Transparenz, Kontrolle und schnellen Sanktionen mangelt.

Das Fatale ist dabei: für die Bevölkerung scheint sich der Verdacht zu verstärken, die Organspendenvergabe sei eine "Blackbox" die sich nun auch noch in eine "Büchse der Pandora" verwandelt.

Um mögliche Spender und natürlich auch die betroffene Patienten nicht weiter zu verunsichern müssen jetzt alle Beteiligten schnell und konsequent handeln. Aber man muss auch bei den Fakten bleiben und darf durch vorschnelle Verallgemeinerungen das Kinde nicht mit dem Bade ausschütten. Als Patientenbeauftragter der Bundesregierung verlange ich von den Beteiligten jetzt eine gründliche aber auch sachliche Analyse um dann Konsequenzen zu diskutieren und umzusetzen.

Sollten weitreichende Veränderungen der Organvergabe nötig sein, möchte ich alle Beteiligten ermuntern auf Standesdünkel, Besitzstandswahrung etc. zu verzichten. Hier darf nur ein Interesse vor Augen sein: Das Vertrauen in die Organspende wiederherzustellen. Darauf werde ich mit Argusaugen achten - das versichere ich. Denn sonst wird es nicht gelingen das Vertrauen der Bevölkerung zu stärken. Ich bin persönlich nach wie vor überzeugt, dass für mich der Organspendeausweis richtig ist  - getreu den Worten von Franz Beckenbauer: "Als Organspender bin ich selbst am Ende meines Lebens noch reich. Ich kann einem anderen das Leben schenken."

 


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